Digitales Recruiting auf der WFI-Talente Messe 2018

| 7. Januar 2019

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Paul Goldmann
Mitgründer von talentefinder

6 Minuten

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Karrieremessen – Graue Masse statt individuelle Klasse?

Jeder weiß, dass es sie gibt. Fast jeder war bereits auf einer. Viele fragen sich nach dem Nutzen eines Besuchs. Karrieremessen stehen als Format des analogen Recruitings vor der Herausforderung, die Zielgruppe der „young talents“ anzusprechen und zur Teilnahme zur motivieren. Dabei kommt es den zumeist auf Masse angelegten Events nicht gerade zu Gute, dass die junge Generation (Gen Y, Gen Z) viel Wert auf individuelle Wertschätzung und Authentizität legt. Digitales Recruiting wird daher immer wichtiger, scheint jedoch bisher an den etablierten Messeveranstaltern vorbeizugehen.

Einer von vielen sein. Oberflächliche, kurze und sich ständig wiederholende Gespräche. Zwang zur Uniformität (aka. Dresscode Business Attire). Eingestaubte Formate mit wenig bis keinen Interaktionsmöglichkeiten (z.B. Unternehmenspräsentationen). All dies sind Charakteristika, die sich nahezu jeder Karrieremesse zuordnen lassen, und die es sowohl Bewerber*Innen als auch Recruiter*Innen schwer machen, die nötige Authentizität auf den Messen zu zeigen, die gefordert ist, um sich als potentielle/r Arbeitnehmer*In bzw. als attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren.

Hier erläutere ich, wie der Bann gebrochen werden und digitales Recruiting mit interaktiven Tools wie dem talentefinder dazu beitragen kann, Karrieremessen für alle Beteiligten wieder zum Highlight und zur effektiven Möglichkeit für Recruiting und Employer Branding werden zu lassen. Dafür werden zuerst die Schwächen der aktuell geläufigen Karrieremessen aufgezeigt, bevor die WFI-Talente Messe 2018 – die Karrieremesse an der WFI – Ingolstadt School of Management an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt – als Beispiel eines zeitgemäßen, effektiven Recruitingformats mit innovativen, teils digitalen Programmpunkten (talentefinder, WFI-Talente Cup) herangezogen und vorgestellt wird.

3 Gründe, warum herkömmliche Messen nicht (mehr) funktionieren

1. Irgendwie ist alles gleich

Messestände, Unternehmenspräsentationen, Einzelgespräche. Gerne ergänzt durch Bewerbungsmappenchecks und Fotoshootings. Mit diesen 3 Kernformaten sowie 2 Ergänzungen lässt sich bereits der Großteil der in Deutschland angebotenen Karrieremessen zusammenfassen. Unterschiede gibt es (mit Ausnahme der Bezeichnungen einzelner Formate) kaum. Die eine Messe will durch eine große Zahl an anwesenden Unternehmen, die andere durch einen Branchenfokus, die nächste durch Einbezug von Familienunternehmen bestechen.

Eine wirkliche Überraschung hat kein/e Bewerber*In auf einer Messe zu erwarten. Innovative Formate oder gar eine lockere Atmosphäre, die die Candidate Experience verbessern? Fehlanzeige. Bestenfalls gibt es einen Food Court und gratis Erfrischungen, die für einen kühlen Kopf und etwas Abwechslung sorgen.

Für eine Generation an Nachwuchskräften, die in einer digitalen Welt aufgewachsen sind und ständig von neuen Produkten und Erlebnissen überflutet werden, wirken diese Recruitingformate recht langweilig und wenig aufregend. Da kann man dem Event auch fernbleiben und sich online informieren.

Für Mitarbeiter*Innen hat die Einheitlichkeit der Events zur Folge, dass sich eine gewisse Routine einstellt. Dadurch werden Gespräche am Messestand oder bei Einzelinterviews eher abgespult, statt individuell an den/die Kandidaten*In angepasst. Die Folge: Weder fühlt sich der/die Bewerber*In gewertschätzt oder sich seinen/ihren Interessen entsprechend informiert, noch empfinden die Mitarbeier*Innen das Event als spannend und freuen sich auf dieses oder die nächsten. Die eher negative Grundstimmung kann sich leicht auf den Gegenüber übertragen und einen schlechten Eindruck vom Unternehmen hinterlassen.

2. Irgendwie sind alle gleich

Dazu kommt, dass es sich viele Karrieremessen auf die Fahnen schreiben, eine riesige Anzahl an Bewerber*Innen auf ihr Event zu locken. Prima! Die eh schon wenig interaktiven und kaum individuellen Formate werden noch uneffektiver, da eine größere Zahl an Menschen in der gleichen Zeit abgefertigt werden muss. Die recruitingbezogene Erfolgsquote eines Gesprächs mit einem/r Bewerber*In nimmt überproportional ab, je weniger man auf die Person und deren Bedürfnisse eingehen kann. Sei dies aufgrund von Zeitmangel oder weil der/die Recruiter*In durch die große Zahl der Gespräche eine starke Routine aufgebaut hat und den Gegenüber schlicht nicht mehr als Individuum behandeln kann.

Dazu trägt auch bei, dass die meisten Karrieremessen den Besucher*Innen einen formalen Dresscode vorschreiben (häufig Business Attire). Dies sorgt nicht nur für eine Uniformität unter den Teilnehmenden, die den individuellen Aspekt der Persönlichkeit kaschiert. Auch entsteht eine Diskrepanz zwischen Kleidungsstil auf der Messe und privatem/beruflichem Kleidungsstil. So ist zunächst anzunehmen, dass kaum ein/e Bewerber*In die Freizeit oder Zeit in der Ausbildung (zumeist im Hörsaal oder auf der Schulbank) im Anzug oder Kostüm verbringen wird. Weiterhin ist auch in den meisten Unternehmen der Anzug mit Krawatte nicht mehr die Alltagskleidung, sondern wird eher noch zu besonderen Anlässen (z.B. Kundengespräche, Vorstandmeetings) getragen. Es dominiert stattdessen Business Casual oder informeller. Durch diese Diskrepanz sind sowohl Bewerber*Innen als auch Recruiter*Innen gezwungen, sich in eine formale Hülle zu zwängen und damit weniger authentisch zu agieren.

3. Der Fokus liegt auf Form, nicht auf Kultur und Authentizität.

Dies führt zur dritten Schwäche: Auf herkömmlichen Karrieremessen entsteht der Eindruck, dass Form mehr zählt als Authentizität und kultureller Fit. Der formale Dresscode, die eng getakteten und dadurch inhaltlich standardisierten Gespräche, die pflichtgemäße Übergabe des Lebenslaufs und Visitenkarten zum Abschluss des Gesprächs (mittlerweile teils ersetzt durch Eintrag in eine Datenbank via Tablet). All dies sorgt für eine Atmosphäre, die eher als steif und nüchtern bezeichnet werden muss. In solch einem Ambiente wird es schwer fallen, den Funken vom Unternehmen auf die Bewerber*Innen überspringen zu lassen, da diese das Unternehmen vor allem zusätzlich zu den Informationen erkunden wollen, die online einsehbar sind und dennoch vornehmlich in Gesprächen auf Karrieremessen kommuniziert werden. Die Candidate Experience auf einer solchen Messe ist daher als gering einzustufen und der informative Mehrwert als vernachlässigbar.

Auf der anderen Seite ist es auch nicht für Unternehmen sinnhaft, unauthentisch agierende Bewerber*Innen kennenzulernen, die die Hülle erst dann fallen lassen, wenn sie den nächsten Schritt im Recruitingprozess gehen. Sollte sich nämlich erst dann herausstellen, dass die Person zwar formal zur Stelle/Unternehmen passt, jedoch kulturell andere Vorstellungen hat, so hätte dies bereits auf der Karrieremesse festgestellt und wertvolle Ressourcen (vor allem Arbeitszeit der Recruiter*Innen und fachlichen Vorgesetzte*n) gespart werden können.

3 Ansätze der WFI-Talente Messe 2018 als zeitgemäße Karrieremesse

Um diese Probleme herkömmlicher Karrieremessen zu lösen, hat die Recruitingplattform der WFI – Ingolstadt School of Management die WFI-Talente Messen grundlegend umgestaltet, um durch eine angenehmere, lockere Atmosphäre und digitalen Recruitings einen authentischen Austausch zu schaffen. Dafür bedient sie sich im wesentlichen dreier Kniffe, die kurz dargestellt werden. Weitere Informationen zu WFI-Talente finden sich auf der dazugehörigen Homepage.

1. Mehr Qualität durch interaktive Formate

Die WFI-Talente Messe 2018 hat die oben erwähnten eingestaubten Formate mangels Nachfrage der Studierenden abgeschafft. Einzig die Messestände sind als Kernelement der Messe geblieben. Dazu wird jedes Semester ein Format des Speedrecruitings (im November 2018 talentefinder) sowie ein Team-Event-Format (im November 2018 WFI-Talente Cup Escape Games) angeboten.

Letzteres Format ermöglicht es Studierenden der WFI sich vorab der Messe für Unternehmensteams zu bewerben. Bei erfolgreicher Bewerbung spielen die Studierenden zusammen mit Mitarbeiter*Innen des Unternehmens ein Turnier gegen die anderen Unternehmensteams. Das Format des WFI-Talente Cups wird jedes Semester gewechselt (z.B. Kicker, Golf-Darts, XXL-Jenga). Beim WFI-Talente Cup können sich Unternehmen und Bewerber*Innen gegenseitig vor allem mit Blick auf den kulturellen Fit kennenlernen. Die formale Passung steht nicht im Vordergrund, wird aber in der Bewerbungsphase bereits vor dem Event geprüft. Während des Turniers haben die Teilnehmenden einen intensiven Kontakt mit informellen Austausch über einen längeren Zeitraum und können herausfinden, ob sie eine gegenseitige professionelle Zusammenarbeit in nähere Erwägung ziehen.

Mit dem talentefinder als digitales Format des Speedrecruitings (d.h. Einzelgespräche von 10-15 Minuten Länge) fand auf der WFI-Talente Messe 2018 zum zweiten Mal an der WFI eine teilweise Digitalisierung des Messeevents statt. So konnten sich Studierende und Unternehmen per browserbasierter Applikation bereits vor dem Event kennenlernen und gegenseitig matchen. Nach einem Match (= beide Seiten finden sich interessant) findet ein kurzer Chat statt mit dem Ziel, ein erstes Kennenlernen zum Event zu vereinbaren. Für dieses Event hat die WFI ein separates Messezelt aufgebaut, sodass die „Dates“ bei geringerer Lautstärke an einem extra hergerichteten Stehtisch mit Glühwein und Spekulatius stattfinden konnten. Durch die auflockernden Details konnten die Studierenden entspannter in die Gespräche gehen und authentisch agieren.

2. Höheres Commitment durch Vorabformate

Durch die qualitativ tiefergehenden Formate talentefinder und WFI-Talente Cup entsteht zudem schon vor dem Event ein hohes Commitment der Bewerber*Innen an das Event und an die Unternehmen. Durch die beidseitige Vereinbarung der Speedrecruiting-Gespräche via talentefinder, sind Bewerber*Innen eher motiviert, zu den Gesprächen zu erscheinen, da sie sich für ein Unternehmen interessieren, das sich ebenfalls für sie interessiert. Somit wird dem Gespräch ein höherer zu erwartender Nutzen zugesprochen als dies bei den üblichen, einseitig (nur durch das Unternehmen) arrangierten Gesprächen geschieht. Der gleichen Logik folgt der WFI-Talente Cup. Dies reduziert die sogenannten No-Shows signifikant.

3. Come as you are

Damit sich sowohl Studierende als auch Unternehmen so präsentieren können, wie sie tatsächlich sind, und keine Masken aufsetzen müssen, gab die WFI-Talente Messe 2018 keinen formalen Dresscode vor. So wurde der Druck von den Studierenden genommen, eine erwartete Rolle zu spielen. Die Unternehmen konnten zudem einen alltagsgetreuen Eindruck der Unternehmenskultur vermitteln und es wurden Barrieren abgebaut, die einem authentischen Austausch entgegenstehen.

Fazit

Traditionelle Karrieremessen erschweren es sowohl Unternehmen als auch Bewerber*Innen, einen gegenseitigen Fit auszumachen. Die kaum oder häufig mit unzureichender Qualität digitalisierten Recruitingevents verfehlen zudem die aktuelle Zielgruppe der Young Talents, die allesamt als „digital natives“ aufgewachsen sind. Innovative Formate wie der talentefinder können durch teilweise Digitalisierung von Karrieremessen einen Mehrwert für das Recruiting liefern, der beiden Seiten einen Austausch erlaubt, der über formale Informationen hinausgeht und einen Blick hinter die Kulisse des Gegenübers erlaubt. Der so feststellbare kulturelle Fit ist eine zeitgemäße Basis, um einen Fortschritt im Recruitingprozess zu eruieren.

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Paul Goldmann
Paul ist Co-Founder von talentefinder und promoviert im Bereich Personalmanagement. Als Manager eines universitären Karriereportals ist er Experte im Recruiting.

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